Über die Freundschaft

Heute geht es um das Thema Freundschaft. Dazu habe ich vor ein paar Tagen einen Artikel von Carmen Piltz gefunden, den ich heute hier mit ihrer Erlaubnis als Gastartikel veröffentliche:

Um es gleich ehrlich vorweg zu sagen: Bewusstsein in Freundschaften macht Freundschaften nicht einfacher und führt auch nicht unbedingt zu – quantitativ gesehen – mehr Freundschaften. Aber Bewusstsein in Freundschaften macht Freundschaften nach meiner Erfahrung qualitativ feiner, tiefgründiger, intensiver und damit wertvoller.

Im Grunde geht es bei Freundschaften ja darum, dass man Menschen hat, mit denen man sich austauschen kann, Erfahrungen und Werte teilen kann, mit denen man gerne Zeit verbringt, denen man nahe steht und denen man deshalb auch vertrauen und sich anvertrauen kann, auf die man sich verlassen kann, von denen man sicher weiß, dass Sie hinter einem stehen und grundsätzlich wohlwollend uns gegenüber sind. Oder wie Wikipedia erklärt: „Freundschaft ist ein auf gegenseitiger Zuneigung beruhendes Verhältnis von Menschen zueinander, das sich durch Sympathie und Vertrauen auszeichnet.“

Eine gute Freundschaft

Was macht also eine „gute“ Freundschaft oder eben eine bewusste Freundschaft aus? Zunächst ist das natürlich nur individuell zu beantworten, weil jeder Mensch andere Prioritäten setzt und einfach auch Unterschiedliches in Freundschaften sucht. Ich suche zum Beispiel in Freundschaften einen offenen, aufrichtigen, liebevollen, dynamischen, aktiven, beherzten Austausch von Gedanken, Gefühlen, Wissen, Erfahrungen und Werten.

Für mich macht eine gute Freundschaft aus, dass man sich auf Augenhöhe begegnet, was nicht heißt, dass man dieselben Talente und Fähigkeiten oder einen ähnlichen Kontostand haben muss. Damit meine ich vielmehr, dass man sich in einem gleichwertigen gegenseitigen Respekt trifft, dass man eine ähnliche Reflexionskraft und Bewusstseinsweite hat, die es den Freunden ermöglicht, einander nachzuvollziehen, einander in Tiefe zu verstehen, sich gegenseitig wesentlich zu begreifen und in der Gesamtheit wertschätzen zu können.

Wenn man bewusst mit einer Freundschaft umgeht bedeutet das, dass man wach, sensibel, aufmerksam und mitfühlend ist, dass man darauf achtet, wie man miteinander spricht, dass man mitbekommt, wie es dem anderen geht und dass der andere mitbekommt, wie es einem selbst geht. Man bemerkt und achtet, was der andere einem gibt und was man selbst gibt wird bemerkt und geachtet. Man hat keine Angst davor, Fragen zu stellen, eine andere Meinung zu vertreten oder etwas anzusprechen, was einem negativ aufgefallen ist oder unstimmig vorkommt.

Die Basis der Freundschaft

Denn wenn die Basis der Freundschaft stabil ist und von Herzen kommt, kann man gegenseitig darauf bauen, dass eine Hinterfragung oder ein Infrage stellen niemals aus negativen Motiven heraus entsteht, um das Gegenüber zu demütigen, zu bewerten oder „runter zu machen“, sondern aus dem großen Respekt heraus, dem Gegenüber ein aufrichtiger Begleiter und Spiegel zu sein, um Ihr oder Ihm die Chance auf eine positive Entwicklung und Einsicht zu geben. Die Chance zu geben, einen blinden Fleck zu erkennen oder sich selbst tiefer zu reflektieren. Niemand kann objektiv seine eigene Außenwirkung feststellen, wahrnehmen oder gar festlegen. Somit ist es ein großer Schatz, wenn man Menschen getroffen hat, denen man so viel wert ist, dass Sie sich die Mühe machen und den Mut aufbringen und uns so sehr vertrauen, dass Sie uns aufrichtig wiedergeben, wie sie uns erleben, im Positiven wie im Negativen.

Für solch eine Kommunikation und Offenheit bedarf es natürlich eines tiefen Vertrauens, einer tiefen Verbindung, die nicht von heute auf morgen entsteht, sondern (wie Alles, was nachhaltig werden will) wachsen muss. Freundschaften sind lebendige Beziehungen, die beständig „genährt“ werden müssen, durch beispielsweise gemeinsame Erlebnisse, verbindende Gespräche und gegenseitige Aufmerksamkeit, eine Freundschaft muss man „pflegen“. Und Freundschaften verändern sich auch natürlicherweise, sodass der eine Freund einen vielleicht länger begleitet, als ein anderer oder neue Freunde dazu kommen, wenn wir selbst uns anders ausgerichtet haben.

Sinn einer Freundschaft

Ich glaube zutiefst daran, dass Freundschaften den Sinn haben, sich gegenseitig gut zu tun, sich gegenseitig zu bereichern und sich miteinander und aneinander zu entwickeln. Und dabei geht es nicht darum, zu Allem „Ja und Amen“ zu sagen, jemanden anzuhimmeln oder sich selbst für den anderen anzupassen. Es geht um Aufrichtigkeit, um Worte und Taten, die von Herzen kommen und auch im Herzen ankommen. Oder wie Johann Wolfgang von Goethe gesagt hat: „Es muss von Herzen kommen, was auf Herzen wirken soll.“

Und weil es noch viele weitere wertvolle Zitate zu dem Thema „Freundschaften“ gibt, möchte ich diesen Artikel mit Einigen davon schließen:

„Unsere äußeren Schicksale interessieren die Menschen, die inneren nur den Freund.“ (Heinrich von Kleist)

„Meine Pünktlichkeit drückt aus, dass mir deine Zeit so wertvoll ist wie meine eigene.“ (Helga Schäferling)

„Worte verbinden nur, wo unsere Wellenlängen längst übereinstimmen.“ (Max Frisch)